Estland – kurz und knackig !

Hallo zusammen,

Wie ich ja schon im letzten Artikel geschrieben habe bin ich mit der Fähre von Helsinki in das 80km entfernte Tallinn, der Hauptstadt Estlands gefahren. Die Überfahrt wurde durch den starken Wind und somit auch Wellengang nicht gerade erholsam für Körper und Geist, vor allem nicht für den Körper ;-).

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die Gischt der aufschlagenden Wellen kam bis aufs höchste Deck.

Spät Abends bin ich dann aber gesund und halbwegs munter in Tallinn angekommen, wo ich mich gleich auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz machte.

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gerade noch Hunderte von KM kein Auto und dann gleich Großstadtverkehr.. puhh

ich fand ein gemütliches Plätzchen ca. 15km außerhalb von Tallinn auf dem ich die nächsten Tage verbringen wollte.
Am nächten Tag machte ich mich auf um Fiffy erstmal einen neuen Satz Reifen und neues Öl zu besorgen. In Tallinn hatte ich nach einiger Sucherei auch einen Fiat Händler gefunden der mir bis zum Abend alles erledigte. Ich hatte also fast den ganzen Tag Zeit, ohne das Problem den Bus irgendwo sicher parken zu müssen, um mir Tallinn anschauen zu können. Die Randbezirke durch die ich laufen mussten waren…. fies. Überall alte total kaputte Plattenbauten in denen Leute davor standen um die man besser einen Bogen machen wollte. Hier und da wurde einem geschrien oder gepfiffen, was die Schrittgeschwindigkeit deutlicher erhöhte. Angekommen in der Innenstadt wendete sich das ganze um 180°, alles ist neu, überall fahren die dicksten Autos durch die Straßen und beim Anblick der Häuser bekommt selbst ein Mitteleuropäer Tränen in die Augen.
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Neue Edelshops an allen Ecken

Die alte Innenstadt besteht zu großen Teilen noch vollständig und die alte Stadtmauer sogar noch komplett. Wenn man durch die Tore läuft fühlt man sich wie in einem Freilichtmuseum.

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verwinkelte Gassen…

Überall stehen alte Steinhäuser, Mauern und Brunnen. Schmale aus Steinen gemachte Straßen ziehen sich wie in einem Labyrinth durch die ganze Altstadt. Überall sind kleine Caffee’s, Bar’s oder Geschäfte. Eine wirklich super Innenstadt, die einen schnell vergessen lässt wie der Weg in die Stadt war ( leider muss man aber wieder zurück ).
Der Tag in Tallinn ging schnell zu Ende und ich musste wieder zurück um meinen Fiffy abzuholen.

So jetzt kommt leider der Teil der Geschichte der nicht mehr so schön war.

Ich fuhr also wieder zurück auf meinen Schlafplatz um dann am nächsten Tag in den nahe gelegenen Nationalpark zu gehen.

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Der Schlafplatz

Alles lief auch soweit ganz gut, bis Nachts um ca. 4 Uhr ein paar Autos angefahren kamen und auf dem gleichen Parkplatz hielten. Ich war natürlich sofort hell wach und dachte nur noch “Scheiße jetzt wirst ausgeraubt”. Schnell packte ich meine Kamera und warf sie so weit hinter das Crashpad wie nur möglich, nahm meine Geldbeutel und packte alle wichtigen Sachen wie Kreditkarte usw. aus und legte sie in das Fußende meines Schlafsacks. Das Licht hatte ich ausgelassen. Dann wartete ich eigentlich nur noch darauf das etwas gegen meine Scheibe kracht oder gegen die Tür hämmert. Es war Mittwoch Morgens 4 Uhr, ich konnte mir nichts anderes vorstellen was die sonst hier machen wollten. Doch nichts passierte, draußen hörte ich laute Musik und Geschrei von betrunkenen Typen. Sehen konnte ich leider nichts da ich meine Fenster verdunkelt habe, plötzlich hörte ich Schüsse! Draußen wurde tatsächlich Geschossen. Ich hatte keine Ahnung auf wen/was/warum, auf jeden Fall war Panik angesagt.
Ich schmiss mich von der Liegefläche auf den Boden und kauerte mich in meinem Schlafsack zwischen Kühlschrank und eigentlichem Bett.
Nach den ersten Schüssen war ich mir schon sicherer das ich vielleicht mit heiler Haut aus der Sache kommen könnte da man selbst sturzbesoffen den Fiffy aus 2-3 Metern Entfernung treffen sollte. Ich weiß nicht genau wie lange die geschossen haben, aber alles war so schnell vorbei wie es angefangen hatte. Unter Gelächter und lauter Musik fuhren Sie nach endlos langen Minuten weg. Wiederum einige Minuten später traute ich mich aufzustehen und aus dem Bus zu gehen.
Ich war fertig.. stand draußen in meiner Boxershort und ließ mir an einem Schild mein Abendessen noch mal durch den Kopf gehen, so hatte es mir den Magen verdreht. Ich kapierte aber überhaupt nicht warum oder was das eben sollte.
Vielleicht 10 Minuten später kam die Polizei unter Blaulicht angefahren. Sie erkannten wohl sofort das ich es nicht war der da geschossen hat und befragten mich was ich gesehen hätte. Ich erklärte es ihnen und fragte dann noch was das denn war und ich dachte das sie mich ausrauben wollten oder ähnliches. Der Polizist erklärte mir das es wohl eine Gang sei die sich einen Spaß daraus macht auf Parkplätzen rumzuballern ( auf Flaschen oder ähnliches ) und dann schnell zu verschwinden um nicht von der Polizei geschnappt zu werden. Als die Polizei wieder abrückte war es ca. 5.00 Uhr und ich konnte beim besten Willen nicht mehr ins Bett. Also machte ich mir Frühstück und versuchte mich zu beruhigen.
Um 6 machte ich mich dann auf den weg in den Nationalpark, allerdings war ich überhaupt nicht in der Stimmung dafür und so viel zu bieten hatte er auch nicht.
Nach ein paar Stunden beschloss ich mich aus diesem Land so schnell wie nur möglich zu verabschieden denn ich mag es absolut nicht wenn jemand rumballert!

3 Tage Estland waren genug.. für mich!

Volker

1 Comment

  1. Hallo Volker,

    wie ich sehe, ist Dein Artikel schon vor einigen Jahren geschrieben worden.

    Da ich selbst aus Estland stamme, finde ich ihn sehr amüsant.

    Ich hoffe sehr, dass Du trotz des nächtlichen Abenteuers noch gute Erinnerungen mitgenommen hast.

    Schöne Grüße

    Lana

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