Chile – Anreise – Cochamo

Da ich erst kurz vor der Reise begriffen habe das Chile ganz schön weit weg ist und wir dahin fliegen müssen wurde mir schon wieder angst und bange. Bisher hatte ich meist pech mit der Fliegerei und warum sollte es dieses mal auch anders sein.

Hier die schönsten Highlights:

Frankfurt: Kurz vor uns macht die Sicherheitskontrolle wegen eines verlassenen Koffers zu. Wir stehen 1,5h und kommen gerade noch als letzte ins Flugzeug.

Santiago: Wir müssen unsere Koffer abholen und damit durch den Zoll, Nettes Gepäck fehlt. Eine freundliche Dame bei der Gepäckinformation meinte, das geht schon in Ordnung – das Gepäck wird direkt nach Puerto Montt weitergeschickt. Wir konnten das nicht glauben – Gott sei Dank – die hätte uns doch tatsächlich weiter in den nächsten Flieger geschickt ohne Nettes Gepäck. Nach 1h kommt das Gepäck endlich an. Wir rennen zum Zoll und stehen wieder über 1,5h in einer endlosen Schlange. Schnell zum Schalter aber schon zu spät, unser Flieger ist schon weg und wir müssen 1h auf den nächsten warten. Der Flieger hatte dann auch noch eine Stunde Verspätung.
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Fliegen ist Arbeit.. kein Spaß ;-)

Irgendwie und völlig kaputt haben wir es dann nach knapp 27h geschaft in Puerto Montt zu landen und nach über 30h haben wir es endlich in ein hygienisch sehr fragewürdiges Hostel geschafft… Ende aus, nichts geht mehr! Essen für die erste Woche einkaufen und noch kurz die Rucksäcke für den nächsten Tag packen und ab ins Bett.
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Die ersten schneebedeckten Vulkane von Chile

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Nach 30h wurde für Cochamo gepackt.. leichtes Gepäck ist was anderes.

Noch gut zerknittert ging es um 7:30Uhr auf den Bus in Richtung Cochamo. In den 2,5h fahrt haben sich Schlafen und das Bestaunen der Landschaft im Wechsel die Hand gegeben. Landschaftlich eine herrliche Abwechslung von dichtem Wald, Meer,Seen und schneebedeckten Vulkanen… oder hab ich das nur geträumt? Zeit war genug da der Bus aus den gefühlt 50er Jahren an jedem Berg fast den Geist aufgegeben hat und der Busfahrer auf der Suche nach dem ersten Gang jedes Mal das Getriebe durchrührte wie ein wilder italienischer Pizzabäcker. Kurz vor Schluss kam ein netter Mexikaner auf uns zu und fragte uns ob wir mit im zum Ausgangspunkt für die Wanderung ins Cochamo Valley fahren wollen… nur zu gerne nahmen wir das Angebot an da unser Rucksäcke bis zum Rand gefüllt waren. Mitten in der Pampa ließ uns der Busfahrer aussteigen und es ging mit einem noch klapprigeren Van über eine Schotterpiste bis zum Start der Wanderung.

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Netter Mann mit wenig Zähnen aber einen herzlichen Lächeln

Da Hravier (oder wie man auch immer Xaver auf mexikanisch schreibt) 1,5Monate im Tal bleiben wollte hatte er bereits Pferde organisiert die sein Gepäck die 10km bis ins Tal tragen würden. Zu unserem Glück war noch ein Pferd übrig das wir kurzerhand für umgerechnet etwa 35€ bekamen, im Rückblick war das unsere Rettung vor einem großen Fehler, insgesamt ging es 10km und ca 700hm nach oben in das wunderschöne Tal. Zur Wanderung kann man noch sagen das es ein Erlebnis war, vorbei an Wasserfällen, Bäche, über Flüsse auf wackeligen Baumstämmen und nicht enden wollendem dichtem moosigen Wald.

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Eine Seilbahn mit Selbstbedienung um den Fluss zu überqueren – eine andere Möglichkeit gibt es nicht – Vertrauen in die chilenische Konstruktionskunst ist angesagt;-)

Gegen Ende lässt der Wald immer wieder kurze Blicke auf die ersten großen Granitwände zu die sich über einem auftürmen und immer größer werden.
Im Tal angekommen…es lässt sich nur schwer in Worte fassen…ich versuche es trotzdem: bombastische Granitwände, Fluss mit unglaublich klarem türkisem Wasser, Wiesen in sattem Grün, Gauchos, Pferde, Kühe und immer wieder die Granitwände die das Tal auf jeder Seite einschließen und nie langweilig werden, kurz gesagt DER HAMMER!!! (siehe Bilder).

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Unser “Basiscamp” im Tal.

Um vom Campingplatz zur dazugehörigen Lodge (Refugio) zu kommen, musste man jedes Mal den Fluss mit der Seilbahn überqueren und danach durch ein kleines Stück Dschungel laufen (Quasi der morgendliche Weg zum Bäcker, mal mit einem anderen Fortbewegungsmittel).

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Blick vom Refugio

An den ersten beiden Tage war leider nicht ganz so gutes Wetter und immer wieder Regen angesagt. Am zweiten Tag konnten wir trotzdem in ein kleines Sportklettergebiet gehen um uns ein bisschen aus dem Zelt zu bewegen, das Klettern war nicht sonderlich spannend aber der Weg dorthin war mal wieder ein Erlebnis.

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Wackelige Geschichte..

Tag 3 war dann perfektes Wetter, wir gaben dem Fels den nötigen Tag um zu trocknen und machten uns auf eine Wanderung in ein Seitental zu den Granitwänden von “La Paloma” 1700HM (nur aufwärts) waren mit 2-3h angegeben, keine Ahnung wer so was in der Zeit packt… wir nicht. Egal. Die “Wanderung” ging erst durch den dichtesten Wald den ich je gesehen habe. Kleine und große Bäche die sich zu einem Wasserfall zusammenschlossen und schließlich über ein Labyrinth von ausgewaschenen Felsen in dem sich das Wasser seinen einigen Weg suchte und wir den Weg um selbiges.

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Wanderung???

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Wegsuche über die Wasserruschen

Apnea stand am nächsten Tag auf dem Plan. Ein 100m langer Riss den man gemacht haben muss. Die Tour gilt als eine der schönsten kurzen Touren im Tal. Nach 20min und fiesen Attacken von Pferdebremsen ging es los.. noch leicht nass im unteren Teil wurde es immer besser und besser. Zum Schluss wartet ein anfangs perfekter Riss der nach oben hin immer dünner wurde, bis meine “zarten Fingerchen” nicht mehr ernsthaft passten und erst recht kein Friend…. ganz ehrlich…. ES WAR MIT SICHERHEIT KEIN SCHÖNER ANBLICK… egal. Die Finger zerkratzt, die Nerven durch und die Hosen voll..aber ein fettes Grinsen im Gesicht. So muss das sein!
Nette ging es da schon besser und sie konnte ziemlich elegant den Riss klettern. (Kommentar Nette: Kein Wunder – war ja auch nur Nachstieg;-))

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Nette auf den letzten Metern…

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Geschafft! Nur noch abseilen und zurück ins Camp

Am Abend gönnten wir uns dann ein leckeres Essen im Refugio. Das meiste Essen wird dort selbst angepflanzt und von einer alten Oma und einer jungen Chilenin zubereitet. So kann man jeden Morgen frisch gebackenes Brot, Pizza oder anderes einfaches Essen kaufen.

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Keine Technik aber großer Einsatz… aua

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Wein und selbstgemachte Pizza im Refugio… Spitzenklasse.

Die Tage gingen so schnell vorbei, dass wir schon bald vor der Abreise standen. Wir konnten noch einen Tag in einem nahegelegenen Sportklettergebiet klettern und am letzten Tag die legendäre Wasserrutsche bei bestem Wetter testen…..

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Erfrischend, a…kalt.

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Eine wunderschöne Oase, mitten im Wald…Bob Ross hätte es nicht schöner hinbekommen;-)

Nun hieß es Abschied nehmen: Alles war verpackt. Dieses mal ohne Pferde, aber zum Glück auch ohne Essen und Trinken, ging es fast ein bisschen traurig zurück in Richtung Zivilisation.

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Unser Gepäck für den Weg zurück nach Cochamo

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Nette auf den letzten Metern….

Kaum 3h später kamen wir am Ende des Tracks an der kleinen Farm an. Der Inhaber des Campingplatzes oben im Tal versicherte uns, dass der nette Farmer dort uns ohne Probleme ein Taxi rufen könnten um nach Cochamo zu kommen. Ohne Probleme ist was anderes: 1. Unser nicht vorhandenes Spanisch: “Cochamo und Brum Brum mussten ausreichen ;-) Das hat dann auch soweit funktioniert. Das größere Problem: 2. der Handyempfang ist von der Wetterlage abhängig. Und so stiefelte der Farmer 15 Minuten lang, mit dem Handy in Richtung Himmel gestreckt, um sein Gelände. Nichts. 20 Minuten später wieder ein Versuch. Nichts. Er hat uns dann irgendwie klar gemacht, dass wir in 1h irgendwie, mit irgendwem nach Cochamo kommen – wie – mit Pferd, Auto oder Bus konnten wir nicht entziffern. Aber das Wichtigste: Wir mussten nicht laufen. Nach 1h warten kam tatsächlich der Sohn des Farmers, mit dem wohl dreckigsten Auto von Chile und nahm uns mit. Nur hineinsetzen reichte aus, um komplett mit einer dicken Dreckschicht umhüllt zu sein. Wir fuhren zurück nach Cochamo um dort am nächsten Morgen um 7Uhr!! den Bus nach Puerto Montt zu nehmen wo unser Auto auf uns wartete.
*laut schrei* SSNNOOPPYYYYYYY.. die ersten Gedanken als ich nach der Busfahrt zurück unseren “Camper” für die nächsten 4 Wochen sah. Eine Tätowierung auf der Stirn mit “ich bin ein Tourist, bitte bitte brech mein Auto auf” wäre nicht unauffälliger gewesen.

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Die “Karre” :-D

Zum Erstaunen haben wir noch keinen Einbruch zu vermelden und alle reagieren ziemlich relaxt auf uns. Der Schriftzug auf unserem Heck bedeutet anscheinend so viel wie “wenn du glücklich bist hupe bitte”.. somit fahren wir stets mit einem Lächeln durch die Gegend und freuen uns über jede Hupe :-D… 1a. Genauere Details über dieses Wunderwerk der Technik folgen später….(wird wohl ein recht kurzer Bericht).

Alles in allem geht es uns fantastisch, wir haben ein traumhaftes Wetter, unser Snoopy läuft und das Land ist absolut unser Ding…. mal schauen was noch so passiert.

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Liebe Grüße aus Chile
Nette & Volker

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