Carretera Austral – von Puerto Montt bis Chile Chico + Bilder

Nach der traumhaften Woche und Urlaub weit ab von der Zivilisation im Cochamo Valley war erst mal Reisen angesagt. Ja, Reisen ist tatsächlich was anderes als Urlaub. Dazu gehören Hausfrauenaktivitäten wie z.B. Einkaufen, Hausrat aufrüsten mit Kaffeemaschine und Steakmesser. Normalerweise Wäsche waschen (ist leider ins Wasser gefallen;-)) usw. In einer Großstadt wie Puerto Montt die richtige Gaskartusche zu finden mit unserem exzellenten Spanisch ist wirklich Arbeit – kein Witz!;-). Wir dachten ja mit Englisch kommt man schon durch, zumindest bei den jungen Chilenen, die in der Stadt wohnen, aber jemand zu finden der Englisch spricht gleicht einer Suche der Nadel im Heuhaufen. Nicht mal am Flughafen, am Zoll oder Touristeninformationszentren. Und so schlagen wir uns mit Händen und Füßen durch. Das kann manchmal sehr lustig sein. Aber die Chilenen sind großartig und sind mit vollem Elan dabei – wirklich ein nettes Volk!

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Kurzer Zwischenstop bei den hängenden Gletschern

Das läuft dan ungefähr so ab:
Wir: Do you speak english?
Chilene: No.
Wir: Erklären mit Händen und Füßen dass wir auf der Suche nach einer Tankstelle sind.
Chilen: Fuchtelt wild mit den Händen und blabbert in einem unglaublichen Tempo in Spanisch los – als seien wir Einheimische.
Wir: Schauen uns fragend an. Versuchen in bestem Fall die Armbewegungen zu wiederholen – falls Sie irgendeinen Sinn hatten wie z.B. Geradeaus, dann links. Dann schüttelt der Chilene den Kopf (wir hatten alles falsch verstanden) und dann schauen wir uns fragend an. Wir verabschieden uns mit einem “Muchas Gracias” (Abgesehen von Hallo ist das bis Dato das Einzige was wir können). Keiner weiß mehr weiter und wir versuchen unser Glück mit der eigenen Interpretation der Wegbeschreibung.

So. Und jetzt stellt euch vor, wie wir auf der Suche nach einer Werkstatt sind, die unser gebrochenes Ladekabel löten können…oder jemand suchen, der unser Gepäck für eine Woche aufbewahrt. Oder noch besser: Auf der Suche nach Benzin sind – wo es keines gibt (tatsächlich gab es in Puerto Montt kein Benzin mehr – nur noch Diesel). Ein Disaster.
Achja, ein Wörterbuch haben wir natürlich nicht. Das würde die Sache ja auch zu einfach machen.

…eine Woche später…Die Lage hat sich inzwischen ein winzig kleines Bisschen verbessert. Wir haben sogar die eine oder andere Frage auf Spanisch drauf. Das Problem ist nur, dass die Chilenen dann denken wir könnten Spanisch und Antworten mit einem Schwall bei dem man nicht zu Wort kommt um zu sagen, dass man nichts verstanden hat.Muchas Gracias! ;-)

Aber das Wichtigste können wir jetzt: “Quiero comer uno pan!” und “Quiero beber uno cerveza!” ;-) Im Optimalfall erhält man damit ein Brot und ein Bier. Damit lässt es sich gut leben.

(Anmerkung Volkeos: Spanisch fällt mir sehr leicht (Nette scheint sich da irgendwie schwer zu tun).. man nehme ein Wort und hänge hinten ein A oder ein S ran, wenn man perfekt sein will kann man auch mal ein OS anhängen.. schon läufts wie geschmiert :-D
Bsp.: Apfel = Apfelo, Schokofüllung=Schokalada Füllunga, Mülleimer = Mülleimero.
Somit ergeben sich auch einfach Sätze, hier ein einfacher Satz der täglich gebraucht wird: Ich hätte gerne diese Einbauküche aber anstatt der Granitplatte lieber Schamott= Is wonto Einbauküchero abero no granitplattos sonderos Schamottos.
Ende der Anmerkung.

Neben dem Spanisch gibt es eine weitere Herausforderung beim Reisen: Endlose Schotterpisten. Dabei ist Schotterpiste nicht gleich Schotterpiste. Generell gilt: Jeder geschotterte Waldweg im Welzheimer Wald ist besser als jegliche chilenische Schotterpiste. Grob lassen sich diese in 3 Kategorien einteilen.

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1. Schotter – gut planiert, breit mit minimaler Krümmung. D.h. Der Geräuschpegel ist gering und 2 Autos können aneinander vorbeifahren ohne dass beide in 30 Grad Neigung gekippt sind.Fahrbar mit maximal 80 km./h
Häufigkeit: Sehr selten – und wenn doch eine Freude!

2. Tiefer Schotter mit kleinen Schlaglöchern. Mit klein meine ich ca die Größe einer mittleren Pizza. Davon gibt es aber dann meist sehr viele. Auf die Dauer anstrengend. Maximale Geschwindigkeit 40 km/h

3. Rießige Schlaglöcher, lange große Querwellen oder kleine Wellblechquerrillen. Ausweichen ist unmöglich. Da heißt es nur: Augen zu und durch. Die übelste Sorte. Das äußerst sich ungefähr so: Quietschen, Bollern, die Gesteckschublade fliegt durch die Gegend. Unsere Nektarinen hüpfen wie Gummibälle in der Aufbewahrungsbox um die Wette (anschließend Matsch). Der Campingtisch schlägt in einem wilden Beat gegen die Blechwand. Ab und zu fliegt der Getränkehalter und sonstige Gegenstände wie Kamera, Laptop und Ladegeräte durch die Gegend. Bei dieser Art von Schotterpiste ist sogar der Beifahrer nach 20 min. fertig mit der Welt.
Maximale Reisegeschwindgkeit: 25 km/h.

Das tolle ist aber: Das Durchhaltevermögen wird immer wieder belohnt. Wunderschöne Landschaften, von dicht bewachsenen Wäldern, Seen, Fjörden über endlose Weiten, Sü,pfe, schneebedeckte Berge, Gletscher, Blumenwiesen in allen Farben, giftgründe Wiesen und ein Schlafplatz schöner als der andere…

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…Schlafplatz kurz vor Chaitèn…

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selbst Delfine zum Frühstück sind inklusive…

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…im Nirgendwo zwischen Chaitèn und La Junta…

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…im Off…irgendwo zwischen Villa Cerro Castillo und Puerto Murta…

Nach einer Woche Reisen war mal wieder ein halber Tag Urlaub angesagt: Wir schauen uns die Marmorhölen am Lago General Carrera an. In einer kleinen Bucht leihen wir uns 2 Kajaks und paddeln zu den Marmorhölen. Ein Unesco Weltkulturerbe. Und das hat es auch verdient…

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Die Boote füllen sich zwar langsam aber sicher mit Wasser aber das war durch den Anblick schnell vergessen.

Volker hat es nicht lassen können, seine Kletterschuhe eingepackt und auf ein Deep Water Soloing Spot gehofft. Spots gab es genug. Aber danach wären wir wahrscheinlich ein paar Pesos ärmer. Schon das alleinige Aussteigen war verboten. Volkers Füße (ungewaschen) auf dem heiligen Marmor hätten den Rest gegeben. Trotz allem wären wir – wenn es gut ging – noch mit einer Geldstrafe davongekommen. Hardy, mit seinen Schweizer Käsefüsschen wäre im Gefängnis gelandet. Also haben wir es dabei belassen. Auch wenn es Volker in den Fingern juckte.

Anschließend Entspannung unterm Bastschirm – Karibisches Flair inklusive…

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Cooler Typ! Wenn ich spanisch könnte, würde ich ihn nach seiner Telefonnummer fragen;-)

Und weiter geht die Reise am See entlang….

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…in Richtung Argentinien. Wir sind gespannt was uns dort erwartet.

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K
LICK AUF DAS BILD ÖFFNET DIE GALLERIE

Windige Grüße
Volker & Nette

5 Comments

  1. Naja, geht so. Sieht ja aus wie im Allgäu. Wetter scheint warm und trocken… ok, wers mag, aber schön schnoddrige 2 bis 8°C bei uns mit schönem Niesel isch halt eine ganz andere Liga. Wers verpasst ist selber schuld.
    Sonst würde ich halt mal sagen, schaut dass ihr irgendwie mal eine spektakuläre Landschaft, oder wenigstens einen Sonnenuntergang findet, der nach was aussieht. Oder en Bollen Fleisch. ;)

    News aus der Heimat: Wetter shit, Mooschd der Hammer, Weihnachtswahnsinn auf dem Zenit, zum Glück noch keine Schweizer im Land, Becka Kurze im Schnitzelstress, der Luchs kehrt in deutsche Wälder zurück.

  2. Hey!! Arschgeile Bilder… was für eine Landschaft… WOW!!! Die Porsche-Arena UND die Schleyerhalle sind für eure Multimedia-Show gebucht… ;-)) Vielleicht zu anfangs nur die Künkelinhalle??? Weiter so….

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